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Die Frau im Islam

Bericht zum DMK-Seminar (Deutschsprachiger Muslimkreis Berlin) vom 17.02.2001

Referent: Amir Zaidan

Hinweis: Dieser Bericht beruht auf einer Mitschrift, es handelt sich deshalb um eine sinngem├Ą├če, keine w├Ârtliche Wiedergabe des Seminar-Inhalts. Der Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollst├Ąndigkeit.

Einleitung

Die Stellung der Frau

... als Mutter
... als Ehefrau
... als Tochter

Die Frage der Gleichberechtigung

Berichte ├╝ber Frauen aus der Zeit des Propheten

Fragen an den Referenten

 

 

1.      Teil (ca. 10.30-12:00)

Einleitung

Zu Beginn stellt Amir Zaidan Zaidan die Frage, warum sich die Muslime in der heutigen Zeit intensiver mit der Frage nach der Stellung der Frau im Islam auseinandersetzen. Die Antwort liegt f├╝r ihn in zwei Punkten:

1.     Einfl├╝sse nichtmuslimischer Religionen und Ideologien

2.     Die Realit├Ąt der muslimischen Frau

Zu 1.: Als Beispiel wurde das Christentum genannt. In der Geschichte des Christentums wurde die Frage nach dem Wesen der Frau mehrmals diskutiert, so z.B. auf einer Synode im 6. Jahrhundert, bei der die Frage gestellt wurde, ob die Frau ├╝berhaupt ein Mensch sei. Die gleiche Frage wurde noch 1591 von lutherischen Theologen diskutiert.

Die Frauenrechtsbewegung und die Forderung der Frauen nach Gleichberechtigung ist auch eine Folge dieses negativen Frauenbildes des Christentums.

Zu 2.: Die Realit├Ąt der muslimischen Frauen weicht an vielen Stellen von den Bestimmungen ab, wie sie in Koran und Sunna gegeben sind. Das Vorhandensein der theoretischen Grundlagen reicht nicht aus, sondern es mu├č auch der Wille da sein, diese Grundlagen durchzusetzen und Traditionen zu ├╝berwinden, die ihnen entgegenstehen.

 

Im Gegensatz zum Christentum wurde im Islam die Frage was die Frau sei, nie gestellt. Die Frau ist nach islamischem Verst├Ąndnis genau das gleiche wie der Mann: ein Mensch, ein Kind Adams, ausgestattet mit Ehre und W├╝rde:

Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie ├╝ber Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet - eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen haben. (17:70) [1]

Ihr Menschen! Gewi├č, wir erschufen euch aus einem M├Ąnnlichen und einem Weiblichen und machten euch zu V├Âlkern und St├Ąmmen, damit ihr euch kennenlernt. Gewi├č, der W├╝rdigste von euch bei ALLAH ist derjenige mit am meisten Taqwa. [2] Gewi├č, ALLAH ist allwissend, allkundig. (49:13)

Zur Taqwa sagte der Prophet (s.a.s.): "Taqwa ist hier!" und zeigte dabei auf sein Herz. Dies wiederholte er dreimal.

Diese Aya (Vers) zeigt, da├č vor Gott niemand aufgrund seines Geschlechts besser oder schlechter ist, sondern da├č der einzige Weg, sich vor Gott zu profilieren, die Taqwa ist.[3]

Eine andere Aya zeigt, da├č die Taten von Frauen und M├Ąnnern von Gott gleicherma├čen anerkannt werden:

Aus 3:195: Gewi├č, ICH lasse keine Tat eines Tuenden von euch, ob m├Ąnnlich oder weiblich, verlorengehen, die einen von euch sind wie die anderen.

Aufgrund dieser Stellen des Koran (und noch weiterer, auf die nicht mehr eingegangen werden konnte) hat in der islamischen Geschichte niemals eine Diskussion ├╝ber das Wesen der Frau stattgefunden, wie es im Christentum der Fall war.

Auch in den Ausspr├╝chen des Propheten (s.a.s.) (Hadithe) finden sich zahlreiche Belege f├╝r die absolute Gleichwertigkeit von Mann und Frau:

"Ja gewi├č, die Frauen sind die Ebenb├╝rtigen (bzw. die Gegen├╝ber) der M├Ąnner." (Das Arabische Wort schaqa'iq, das hier verwendet wird, bedeutet "die H├Ąlfte".)

Dieser Hadith geht weiter: "Nur ein edler Mensch behandelt sie gut, nur ein mieser Mensch behandelt sie schlecht."

In einem anderen Hadith h├Ąlt der Prophet (s.a.s.) zur guten Behandlung der Ehefrauen an: "Derjenige von euch, der seine Ehefrau am besten behandelt, ist der beste von euch. Und ich bin der Beste zu meinen Frauen."

Ein ├Ąhnlicher Hadith lautet: "Diejenigen, die am vollkommensten sind und diejenigen, die mir am n├Ąchsten sind, sind diejenigen, die am besten mit ihren Ehefrauen umgehen."

Nach diesem Hadith ist also der Ma├čstab f├╝r die Vollkommenheit eines Muslims sein Umgang mit seiner Ehefrau!

Der Prophet (s.a.s.) hat in seinem Leben niemals eine Frauen geschlagen, beleidigt oder gekr├Ąnkt. Wenn er nach Hause kam und seine Frauen kein Essen vorbereitet hatten, sagte er nur: "Ich faste heute.". Dies ist die Sunna des Propheten, das Vorbild, an das sich alle Muslime halten sollen.

Einmal fand der Prophet (s.a.s.) w├Ąhrend einer Schlacht mit Nichtmuslimen eine nichtmuslimische Frau, die get├Âtet worden war, obwohl sie nicht bewaffnet war. Er war dar├╝ber sehr erregt und fragte: "Wer hat sie get├Âtet?"

Die gute Behandlung und die Ehrehrbietung gegen├╝ber Frauen erstreckt sich also nicht nur auf muslimische Frauen, sondern auch auf nichtmuslimische.

 

In der Geschichte des Islams haben Frauen eine bedeutende Rolle gespielt:

- Der erste Mensch, der den Islam anahm, war eine Frau: Khadidscha (r.a.), die erste Frau des Propheten (s.a.s.). Das bedeutet, dass zu einer bestimmten Zeit die muslimische Gemeinde nur aus einer Frau bestand!

- Der erste Mensch, der f├╝r den Islam gestorben ist, war eine Frau: Summaya (r.a.), die unter den Folterungen der Mekkaner ihr Leben f├╝r den Islam hingab.

- Einer der gr├Â├čten Sahaba (Gef├Ąhrten) des Propheten (s.a.s.), Umar (r.a.) wurde von seiner Schwester zum Islam bekehrt. Sie zeigte sich furchtlos gegen├╝ber ihrem Bruder, der damals f├╝r seine Aggressivit├Ąt bekannt war, und obwohl er sie schlug, nachdem er h├Ârte, da├č sie den Islam angenommen hatte, machte sie ihn mit dem Islam bekannt.

- Der Prophet (s.a.s.) hat von Anfang an M├Ąnner und Frauen zum Islam eingeladen, und Frauen waren auch an politischen Handlungen beteiligt (wie z.B. bei der Bay'a (Treueschwur) von Aqaba, die faktisch die Gr├╝ndung des islamischen Staates bedeutete).

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 Die Stellung der Frau als Mutter

Ein bekannter Hadith zeigt, welch hohe Stellung der Islam der Mutter gibt:

Der Prophet (s.a.s.) wurde von einem Mann gefragt: "Wen soll ich am besten behandeln?" Er antwortete: "Deine Mutter." Der Mann fragte weiter: "Und wen danach?". Der Prophet antwortete: "Deine Mutter." Der Mann fragte noch einmal: "Und wen danach?" Der Prophet antwortete: "Deine Mutter." Der Mann fragte wiederum : "Und wen danach?" Da antwortete der Prophet: "Deinen Vater.".

In einem anderen Hadith sagte der Prophet (s.a.s.): "Das Paradies liegt zu den F├╝├čen der M├╝tter."

Ein weiterer Hadith fordert den Gehorsam der Kinder gegen├╝ber der Mutter: "Allah hat die Widerspenstigkeit gegen├╝ber den M├╝ttern und das Begraben der M├Ądchen verboten."

Nach dem Verbot des Schirks (d.h. da├č man Allah etwas zur Seite stellt, und damit Vielg├Âtterei betreibt, was im Islam die gr├Â├čte S├╝nde darstellt) kommt das Verbot der Ungerechtigkeit gegen├╝ber den Eltern. Beide Elternteile sollen gut behandelt weden, aber der Mutter geb├╝hrt eine noch bessere Behandlung.

Im Koran finden wir die Anweisung: Und sage ihnen gegen├╝ber nicht "uff".

Mit "uff" sind alle m├Âglichen Unmuts├Ąu├čerungen gemeint, mit denen man auf Forderungen, Bed├╝rfnisse oder Anspr├╝che der Eltern reagieren k├Ânnte. Die Aufforderung, so etwas zu unterlassen, gilt insbesondere gegen├╝ber der Mutter, da die Kinder ├╝blicherweise zu der Mutter einen engeren Kontakt haben und aus diesem Grund m├Âglicherweise ihr gegen├╝berr einen geringeren Respekt zeigen als gegen├╝ber dem Vater. Da├č im Koran an dieser Stelle das kleinste Beispiel f├╝r Respektlosigkeit gegen├╝ber den Eltern gew├Ąhlt wird, zeigt, da├č alles andere, was noch schlimmer ist (wie Beschimpfen, Vernachl├Ąssigen oder gar Schlagen) noch st├Ąrker verboten ist.

Ein Hadith zeigt, welche Folgen die Vernachl├Ąssigung der Mutter nach sich ziehen kann:

Einer der Sahaba des Propheten (s.a.s.) lag im Sterben und seine Freunde kamen zu ihm und forderten ihn auf, die Schahada [4] zu sagen, damit er mit "La illaha illa lah" sterben w├╝rde. Der Sterbende konnte jedoch die Schahada nicht aussprechen. Seine Freunde gingen zum Propheten (s.a.s.) und erz├Ąhlten ihm davon. Dieser lie├č die Mutter des Sterbenden rufen und erkundigte sich ├╝ber ihren Sohn. Sie berichtete, da├č ihr Sohn seine Frau ihr gegen├╝ber bevorzugt und sie vernachl├Ąssigt hatte. Der Prophet (s.a.s.) sagte ihr daraufhin, da├č ihr Sohn, wenn sie ihm nicht verzeihen k├Ânnte, ohne die Schahada zu sprechen sterben w├╝rde. Da verzieh die Mutter ihrem Sohn. Die Freunde des Sohnes kamen sp├Ąter zum Propheten (s.a.s.) und berichteten ihm, da├č er gestorben war, aber zuvor die Schahada noch ausgesprochen hat.ÔÇŁ

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Die Stellung der Frau als Ehefrau

Am Beginn dieses Punktes steht eine allgemeine Reflexion ├╝ber die Definition von Rechten und Pflichten in der westlichen Welt und im Islam. In der westlichen Welt wird immer von den Rechten gesprochen, die jeder Mensch hat, aber es wird nicht festgelegt, wer f├╝r die Einhaltung dieser Rechte zu sorgen hat. Der Koran spricht jedoch von Verpflichtungen, und aus den Verpflichtungen der einen ergeben sich die Rechte der anderen. Wenn die Verpflichtungen feststehen und gleichzeitig festgelegt wird, wer sie einzuhalten hat, entstehen die Rechte f├╝r die anderen daraus automatisch.

Das wichtigste Ziel der Ehe ist die Liebe und die Barmherzigkeit.

(gem├Ą├č dem Koranvers: Ebenso zu Seinen Ayat (d.h. Zeichen) z├Ąhlt, da├č ER f├╝r euch von eurem Wesen Partnerwesen erschuf, damit ihr bei ihnen Geborgenheit findet. Und ER setzte zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit. Gewi├č, darin sind doch Ayat f├╝r Leute, die nachdenken.) (30:21)

In Bezug auf die Ehe besteht bei den Muslimen heutzutage das Problem, da├č sie fortw├Ąhrend bestimmte Fragen des islamischen Rechts (Fiqh) diskutieren, die nur zur Anwendung kommen, wenn ein Streitfall eintritt. Stattdessen ist es viel wichtiger, die Liebe und die Kooperation zu betonen, den Respekt, die Achtung und die Barmherzigkeit - denn alles andere ist zweitrangig.

Amir Zaidan zieht einen Vergleich zwischen dem Iman (Gauben) und der Ehe: Beim Iman mu├č Tauhid [5] im Mittelpunkt stehen, alles andere ist zweitrangig. Denn Gebet, Zakat, Fasten und Hadsch sind ohne Tauhid hinf├Ąllig und nutzlos. Genauso mu├č bei der Ehe die Liebe und die Barmherzigkeit im Mittelpunkt stehen, denn eine Ehe, bei der keine Liebe und Kooperation entsteht, ist zum Scheitern verurteilt.

Ein wichtiges Thema, das sowohl unter Muslimen als auch unter Nicht-Muslimen viel diskutiert wird, ist die Frage, ob ein Mann seine Frau schlagen darf oder nicht. Amir Zaidan h├Ąlt gleich am Anfang fest, da├č das Schlagen der Frau verboten (haram) ist. Als Beleg daf├╝r gilt die Aya, die von manchen Muslimen als eine Erlaubnis zum Schlagen der Frauen ausgelegt wird:

Die Ehem├Ąnner tragen Verantwortung den Ehefrauen gegen├╝ber wegen dem, womit Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat, und wegen dem, was sie von ihrem Verm├Âgen ausgegeben haben. Die gottgef├Ąllig guttuenden Frauen sind (ALLAH gegen├╝ber) ergeben und bewahren das vom Verborgenen (zwischen ihnen und ihren Ehem├Ąnnern), was ALLAH zu bewahren auferlegt hat. Und diejenigen Ehefrauen, deren b├Âswillige trotzige Auflehnung ihr f├╝rchtet, diese sollt ihr (zun├Ąchst) ermahnen, dann in den Ehebetten meiden und (erst danach) einen (leichten) Klaps geben! Und sollten sie wieder auf euch h├Âren, dann unternehmt nichts mehr gegen sie! Gewi├č, ALLAH bleibt immer allh├Âchst, allgr├Â├čt. (4:34) [6]

Diese Aya erfordert eine ausf├╝hrliche Erl├Ąuterung:

Im Arabischen steht in diesem Vers "M├Ąnner" und "Frauen", gemeint sind jedoch die Ehem├Ąnner und Ehefrauen, weil M├Ąnner fremden (d.h. nichtverwandten) Frauen gegen├╝ber in keiner Weise verantwortlich sind. Die allgemeine Aussage "M├Ąnner sind gegen├╝ber Frauen verantwortlich" kann auch deshalb nicht zutreffen, weil eine Frau auch die Chefin eines Mannes sein kann, wie z.B. im Fall von Khadidscha (r.a.), bei der der Prophet (s.a.s) angestellt war.

Die Verantwortung, die von der einen Seite (den Ehem├Ąnnern) ├╝bernommen wird, erwartet von der anderen Seite (den Ehefrauen) die Anerkennung dieser Verantwortung. Verantwortung zu tragen bedeutet, Verpflichtungen zu ├╝bernehmen. Weil der Mann Verpflichtungen ├╝bernimmt, mu├č er auch die M├Âglichkeit haben, diese zu erf├╝llen - was nicht gew├Ąhrleistet ist, wenn die Ehepartner keine gemeinsame Richtung verfolgen.

Ansonsten ist in der Beziehung zwischen den Ehepartnern die gegenseitige Beratung vorgesehen. Dies war die Praxis des Propheten (s.a.s.), der sich in in seinen Angelegenheiten mit seinen Frauen beriet, sogar wenn es um politische Probleme ging. Es ist bekannt, da├č er in einer schwierigen Situation (im Zusammenhang mit dem Friedensvertrag von Hudaibiya) seine Frau Umm Salama um Rat fragte und ihren Rat dann auch befolgte.

In der Aya wird weiterhin ein wichtige Verpflichtung der Ehefrauen genannt: Sie sollen das, was in der Familie vorgeht, bewahren und die Privatsph├Ąre sch├╝tzen. Dazu geh├Ârt auch, da├č man ├╝ber sexuelle Dinge zwischen den Eheleuten nicht mit Dritten redet - eine Sache, die der Prophet (s.a.s.) schwer verurteilt hat. Dies gilt nat├╝rlich f├╝r M├Ąnner genauso wie f├╝r Frauen.

Es geht weiter: ... und diejenigen Ehefrauen, deren b├Âswillige trotzige Auflehnung ihr f├╝rchtet, ...

Das Verb tachafu (f├╝rchten) bedeutet auch wissen, d.h. man mu├č sich ├╝ber die b├Âswillige Auflehnung sicher sein. Es gibt eine Regel im Fiqh (Rechtswissenschaft) die besagt, da├č auf Spekulation keine Sanktionen folgen k├Ânnen.

Wir kommen nun zu dem Punkt, warum das Schlagen der Frauen verboten ist. In der Aya wird die Erlaubnis gegeben, die Frau (leicht!) zu schlagen, wenn eine bestimmte Ausnahmesituation eingetreten ist, n├Ąmlich die unrechtm├Ą├čige, b├Âswillige Auflehnung der Frau, die zudem trotz der vor dem Schlagen vorgeschriebenen Ma├čnahmen bestehen bleibt. Die Fiqh-Regel, die hier zur Anwendung gebracht wird ist mafhum al-muchalafa, dies ist eine Art Umkehrschlu├č. Die Bedeutung davon ist folgende: Weil das Schlagen der Frau in der Ausnahmesituation erlaubt ist, hei├čt dies, das es in allen anderen F├Ąllen verboten ist!

Im Kontext dieser Aya, die das Schlagen als eine letzte M├Âglichkeit zur Rettung der Ehe erlaubt, geht es um ein famili├Ąres Problem. Dieses Problem ist die Ausnahme, nicht die Regel. Das Leben einer Familie soll im Normalfall harmonisch verlaufen und eine Familie, bei der es st├Ąndig schwerwiegende Probleme gibt, ist keine normale Familie.

Die Auflehnung der Frau (nuschuz) wurde von den Korankommentatoren noch genauer beschrieben. Nach Ibn Abbas handelt es sich um nuschuz, wenn die Frau die Sexualit├Ąt als Waffe einsetzt, wenn sie sich also dem Mann verweigert, um etwas zu erreichen oder um ihn zu kr├Ąnken. Andere Kommentatoren waren der Meinung, nuschuz sei, wenn die Frau ihren Mann in der ├ľffentlichkeit blo├čstelle und verachte. Man sieht in jedem Fall, da├č nuschuz nicht einfach bedeutet, da├č die Frau manchmal nicht kocht oder andere nebens├Ąchliche Dinge, die f├╝r manche M├Ąnner schon ausreichen, um ihre Frau zu schlagen.

Es gibt f├╝r diese Aya auch einen Offenbarungsanla├č: Eine Frau kam zum Propheten (s.a.s.) und beklagte sich bei ihm, weil ihr Mann sie geschlagen hatte. Der Prophet (s.a.s.) lie├č daraufhin den Mann holen und ordnete Wiedervergeltung an, d.h. er forderte die Frau auf, ihren Mann zur├╝ckzuschlagen. Hierauf wurde die o.g. Aya offenbart, woraufhin der Prophet (s.a.s.) sagte: "Ich wollte etwas, aber Allah wollte etwas anderes."

Das Zur├╝ckschlagen wurde zum Schutz der Frau verboten, weil es die Situation noch verschlimmern k├Ânnte. Ein Mann, der bereits zornig ist, seine Frau schl├Ągt und dann von ihr zur├╝ckgeschlagen wird, k├Ânnte vollst├Ąndig die Kontrolle ├╝ber sich verlieren und der Frau m├Âglicherweise eine schlimme Verletzung zuf├╝gen. Trotzdem bleibt die Wiedervergeltung m├Âglich, denn das Schlagen der Frau darf weder Spuren hinterlassen noch einen empfindlichen K├Ârperteil betreffen. Das Schlagen ins Gesicht ist nach allen Gelehrten haram (verboten). Tut ein Mann dies trotzdem oder f├╝gt er seiner Frau eine K├Ârperverletzung zu, ist diese berechtigt, ihren Mann anzuzeigen, und dann ist es der Richter, der die Wiedervergeltung anordnet, und der Mann wird wissen, was er getan hat.

Der Prophet selbst (s.a.s) hat wie gesagt niemals eine seiner Frauen geschlagen, und zum Schlagen sagte er einmal, als sein Diener ihn ver├Ąrgerte: "Wenn ich nicht w├╝├čte, da├č es im Jenseits Vergeltung gibt, h├Ątte ich dich mit diesem siwak geschlagen." Der siwak ist ein kleines ├ästchen, das wegen seiner Fasern zum Z├Ąhneputzen verwendet wird. Man sieht also, was sich der Prophet (s.a.s.) unter Schlagen vorgestellt hat. Aus diesem Grund wird das Veb daraba (schlagen) mit "einen (leichten) Klaps geben" ├╝bersetzt.

Literaturtipp:
Eine Interpretation des Verses 4:34 vom ZIF
(Zentrum f├╝r islamische Frauenforschung und Frauenf├Ârderung)

Die Gelehrten bezeichnen dieses "Schlagen" als eine Art des "Wachr├╝ttelns": Der Frau, die trotz Ermahnung und Meidung im Ehebett ihren Fehler nicht einsehen will, soll dadurch "aufgeweckt" werden und realisieren, da├č sie tats├Ąchlich ihre Ehe aufs Spiel setzt. Die Gelehrten raten auch davon ab, dieses letzte Mittel einzusetzen, wenn keine Aussicht auf Erfolg besteht, und stattdessen die Scheidung auszusprechen.

Man kann sich die Frage stellen, warum der Koran ├╝ber dieses Thema ├╝berhaupt spricht. Der Grund liegt darin, da├č dieses Ph├Ąnomen zur Natur des Menschen (bzw. des Mannes) geh├Ârt, und wenn dar├╝ber nicht gesprochen wird, wird dem Schlagen nicht Einhalt geboten. Das Thema zu umgehen, w├Ąre deshalb realit├Ątsfremd.

Nach der Offenbarung dieser Aya dachten manche der muslimischen M├Ąnner, sie k├Ânnten ihre Frauen schlagen. Als der Prophet (s.a.s.) dies erfuhr sagte er: "Die Guten unter euch schlagen ihre Frauen nicht."

Eine Schwester unter den SeminarteilnehmerInnen stellte die Frage, wie sich eine Frau verhalten solle, die von ihrem Mann geschlagen wird. Die Antwort des Bruders Amir war, da├č die Frau sich in einem solchen Fall zun├Ąchst an vertrauensw├╝rdige Bekannte der Familie wenden soll, damit diese mit dem Mann reden. Wenn dies keinen Erfolg hat, kann sie ihren Mann wegen K├Ârperverletzung anzeigen. Falls das Problem bestehen bleibt, sollte sie sich ├╝belegen, ob sie diese Ehe wirklich fortsetzen will.

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Die Stellung der Frau als Tochter

Zu diesem Punkt gibt es nicht zu viel zu sagen, denn eine Tochter soll genauso behandelt werden wie ein Sohn. Alle Geschenke, Taschengeld und ├Ąhnliches m├╝ssen S├Âhnen und T├Âchten gleicherma├čen gegeben werden, niemand darf bevorzugt werden. Einmal kam ein Mann zum Propheten (s.a.s.) und bat darum, da├č der Prophet (s.a.s.) Zeuge f├╝r eine Schenkung an seinen Sohn sein solle. Als der Prophete (s.a.s.) erfuhr, da├č der Mann seinen ├╝brigen Kindern nicht das gleiche schenken wollte, lehnte er die Zeugenschaft ab.

Die Sitten, die in manchen muslimischen Familien verbreitet sind, da├č n├Ąmlich die Tochter den Sohn bedienen mu├č und ├Ąhnliche Dinge, haben mit dem Islam nichts zu tun.

Da sich viele Menschen ├╝ber einen Sohn mehr freuen als ├╝ber eine Tochter (der Sohn wird sp├Ąter Geld verdienen, er tr├Ągt unseren Namen, die Tochter heiratet sp├Ąter usw.), bezeichnet der Islam die Erziehung der T├Âchter als besonders verdienstvoll. Nach einem Hadith kann jemand, der drei T├Âchter gewissenhaft erzieht, sich auf den Lohn des Paradieses freuen. Der Prophet (s.a.s.) wurde daraufhin gefragt, ob dies auch f├╝r zwei T├Âchter gelte, was er bejahte. Auch die Frage, ob dies auch f├╝r eine Tochter gelte, wurde bejaht.

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Pause (Mittag-Gebet, Essen)

 

2.      Teil (ca. 13:30 - 14:30)

Die Frage nach der Gleichberechtigung/Gleichstellung

Wie bereits erw├Ąhnt, sind M├Ąnner und Frauen in ihrer Menschlichkeit absolut gleich. Ebenso sind sie gleich in ihrer F├Ąhigkeit, Verpflichtung zu tragen und Rechte zu gew├Ąhren.

Die Unterscheidung, die in bestimmten Verpflichtungen getroffen wird, richtet sich nach der Eignung. Es wird danach gefragt, in welchen Bereichen die Frau und in welchen Bereichen der Mann mehr Eignung hat, Verantwortung zu ├╝bernehmen.

Die Zeugenschaft von Mann und Frau

Ein Vorwurf, der dem Islam oft gemacht wird, ist, da├č die Zeugenaussage eines Mannes doppelt so viel z├Ąhle wie die einer Frau, und die Frau deshalb nur halb so viel wert sei wie der Mann.

Dazu mu├č folgendes gesagt werden:

Die Vorschrift, da├č bei der Zeugenaussage einer Frau eine weitere Frau hinzugezogen werden soll, die die erste erinnern soll, findet sich im Koran im Zusammenhang mit der Zeugenschaft f├╝r Kaufvertr├Ąge. Der Grund daf├╝r liegt darin, da├č die Frauen im allgemeinen in gesch├Ąftlichen Dingen weniger Erfahrungen haben als M├Ąnner (was nicht hei├čt, das es keine Ausnahmen gibt, aber man richtet sich nach dem Normalfall). Um die Frau vor einer Falschaussage zu sch├╝tzen, soll ihre Aussage von einer zweiten abgesichert werden.

Auf den Einwand einer Schwester, da├č heutzutage auch viele Frauen gesch├Ąftlich aktiv sind, entgegnete Amir Zaidan, da├č trotz allem gesch├Ąftlich versierte Fraue eher die Ausnahme als die Regel darstellen. Einer muslimischen Frau ist es aber nicht verboten, ihren eigenen Gesch├Ąften nachzugehen. Die Frau hat im Islam seit 1400 Jahren die alleinige Verf├╝gungsgewalt ├╝ber ihr Verm├Âgen und kann selbst├Ąndig ihren Gesch├Ąften nachgehen, ein Recht, da├č sich die Frauen in den westlichen Gesellschaften erst in der zweiten H├Ąlfte des 20. Jahrhunderts erstritten.

Prinzipiell richtet sich die Beurteilung der Zeugnisf├Ąhigkeit nach der Eignung. Wenn z.B. ein Mann in einem Mordfall Zeuge sein soll, von ihm aber bekannt ist, da├č er l├╝gt, wird er als Zeuge nicht zugelassen.

In anderen Angelegenheiten, die besonders Frauen betreffen, werden Frauen als die Erfahreneren angesehen, und die Aussage einer einzigen Frau reicht aus.

Ein wichtiger Fall, der zeigt, da├č im Islam nicht die Aussage eines Mannes mehr gilt, weil er ein Mann ist, ist der Verfluchungsschwur (li'an):

Wenn ein Mann seine Frau wegen Ehebruch anklagt, und daf├╝r keine weiteren Zeugen anbringen kann, [7] hat er die M├Âglichkeit, viermal zu schw├Âren, da├č er den Ehebruch wirklich gesehen hat, worauf ein f├╝nfter Schwur folgt, bei dem er den Fluch Allahs auf sich selbst herabschw├Ârt f├╝r den Fall, da├č er l├╝gen sollte. Die Frau kann dann in der gleichen Weise viermal schw├Âren, da├č sie keinen Ehebruch begangen hat, und beim f├╝nften Schwur den Fluch Allahs auf sich herabschw├Âren f├╝r den Fall, da├č sie gelogen hat.

In diesem Fall steht Aussage gegen Aussage, keiner Aussage wird aufgrund des Geschlechts des/der Aussagenden mehr Gewicht gegeben. Mann und Frau sind absolut gleichwertig.

Die Frau als Richterin, Mufti oder Staatsoberhaupt?

Nach der hanafitischen Rechtsschule kann eine Frau auch Mufti sein, d.h. sie kann auch eine fatwa (Rechtsgutachten) geben. Ebenso ist es nach der hanafitischen Rechtsschule m├Âglich, da├č sie Richterin ist, allerdings sind Mordangelegenheiten davon ausgeschlossen. Nach den anderen Rechtsschulen ist dies nicht m├Âglich.

Nach allen vier Rechtsschulen kann die Frau kein Staatsoberhaupt sein. Dies liegt daran, da├č das Staatsoberhaupt nach islamischem Verst├Ąndnis auch gleichzeit der Imam (Vorbeter) ist. Eine Frau kann jedoch nicht f├╝r M├Ąnner Imam sein, nur f├╝r Frauen. Au├čerdem wird die Frau aufgrund ihrer k├Ârperlichen Eigenschaften als ungeeignet angesehen (Schwangerschaft, Menstruation etc.). Wichtig ist hier wiederum, da├č sich diese Einsch├Ątzung nach der Eignung richtet und nicht beinhaltet, da├č M├Ąnner grunds├Ątzlich besser w├Ąren als Frauen.

Abgesehen von der Eignung f├╝r bestimmte Bereiche haben M├Ąnner und Frauen prinzipiell die gleichen Rechte und Pflichten:

- in Bezug auf die Ibada (gottesdienstliche Handlungen): Gebet, Zakat, Fasten und Hadsch sind f├╝r M├Ąnner wie f├╝r Frauen gleicherma├čen verpflichtend, es gibt lediglich f├╝r Frauen bestimmte Erleichterungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Menstruation.

- in Bezug auf das Streben nach Wissen: Der Prophet (s.a.s.) sagte: "Das Streben nach Wissen ist Pflicht f├╝r jeden Muslim und jede Muslima." Der Prophet selbst (s.a.s.) hat einen Tag in der Woche auschlie├člich f├╝r Frauen reserviert, um ihnen Untericht in der Religion zu geben. (An den anderen Tagen waren Frauen auch anwesend, aber dieser Tag war nur f├╝r Frauen.)

- In der Moschee (Gebet, Predigt, Versammlungen) waren Frauen und M├Ąnner gleicherma├čen anwesend. Die M├Ąnner standen (sa├čen) in den vorderen Reihen, die Frauen in den hinteren, damit sie sich nicht gegenseitig ablenkten. Amir Zaidan wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, da├č eine Abtrennung zwischen M├Ąnner- und Frauenteil in der Zeit des Propheten nicht vorhanden war.

- Die Frau ist im Islam rechtsf├Ąhig und wirtschaftlich unabh├Ąngig (s.o.). (Amir Zaidan wies in diesem Zusammenhang auf den interessanten Fakt hin, da├č in Deutschland bis in die 60er Jahre eine Genehmigung des Ehemannes n├Âtig war, wenn eine Frau ein Konto er├Âffnen wollte.)

- Die Frau kann nicht zur Ehe gezwungen werden. Eine Ehe, die unter Zwang zustande kommt, ist nicht rechtskr├Ąftig.

- Die Frau kann eine Scheidung verlangen, auch wenn von Seiten des Mannes kein Fehlverhalten vorliegt. Nach einem Fall zur Zeit des Propheten (s.a.s.) gibt die Frau in diesem Fall die mahr (Brautgabe) an den Mann zur├╝ck.

- Eine Frau kann genau wie ein Mann Asyl gew├Ąhren. Das islamische Asylrecht unterscheidet sich vom deutschen darin, da├č nicht der Staat, sondern die Einzelperson Asyl gew├Ąhrt. Eine Frau zur Zeit des Propheten (s.a.s.) gew├Ąhrte zwei Mekkanern Asyl, und war bereit, sie mit ihrem eigenen Leben vor Angriffen der Muslime zu sch├╝tzen. Der Prophet (s.a.s.) bezeichnete ihre Handlungsweise ausdr├╝cklich als richtig.

- Die Frau ist genau wie der Mann wahlberechigt. Als sich bei der Wahl des 3. Kalifen die Kandidaten auf niemanden einigen konnten, wurden alle Bewohner Medinas befragt, die Frauen ebenso wie die M├Ąnner.

 

Die Erbschaft

Ein weiterer "Beleg" daf├╝r, da├č die Frau im Islam "nur die H├Ąlfte des Mannes wert ist", wird oft darin gesehen, da├č die Frau nur halb so viel erbt wie der Mann.

Da├č die Frau die H├Ąlfte des Anteils des Mannes erbt, trifft jedoch nur in dem Fall zu, da├č sie eine Tochter ist und (mindestens) einen Bruder hat. Es gibt andere F├Ąlle, in denen die Frau genausoviel oder sogar mehr als der Mann erbt. So erben die Mutter und der Vater eines verstorbenen Sohnes oder einer verstorbenen Tochter gleich viel, dies ist auch der Fall, wenn es sich um Gro├čmutter und Gro├čvater handelt. Bei den Gro├čeltern m├╝tterlicherseits erbt die Gro├čmutter, aber der Gro├čvater nicht. Wenn jemand stirbt und T├Âchter hinterl├Ą├čt, erbt auch seine Schwester, aber sein Bruder nicht.

Man sieht also, da├č die Aussage "Die Frau erbt halb so viel wie der Mann" den Sachverhalt verk├╝rzt.

Der Grund daf├╝r, da├č ein Sohn doppelt so viel erbt wie eine Tochter, liegt darin, da├č er mehr finanzielle Verpflichtungen hat als seine Schwester. Was der Mann einnimmt mu├č er teilen - mit seiner Frau, seinen Kindern m├Âglicherweise auch mit seinen Eltern, aber was die Frau einnimmt, geh├Ârt ihr allein. Sie hat keinerlei finanzielle Verpflichtungen.

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Berichte ├╝ber Frauen in der fr├╝hen Zeit des Islam

Zur Zeit des Propheten (s.a.s.) und der rechtgeleiteten Kalifen haben Frauen ihre Rechte eingeklagt, sie haben mitgeredet und am ├Âffentlichen Leben teilgenommen. Dies zeigen verschiedene Hadithe. Drei Beispiele:

Einmal kam eine Frau zum Propheten (s.a.s.) und beklagte sich dar├╝ber, da├č ihr Vater sie gegen ihren Willen mit ihrem Cousin verheiratet hatte. Der Prophet (s.a.s.) sagte ihr, da├č sie die Ehe l├Âsen k├Ânne, wenn sie dies wolle. Sie sagte daraufhin, da├č sie mit der Wahl ihres Vaters einverstanden sei, aber sie wollte, da├č die anderen Frauen sehen, da├č sie nicht zur Ehe gezwungen werden k├Ânnen.

W├Ąhrend einer Ansprache in der Moschee trug der Kalif Umar (r.a.) ein Kleid, das aus Stoff gemacht war, der von einem Kriegszug als Beute mitgebracht worden war. Umar (r.a.) war sehr gro├č und der Stoff, der f├╝r sein Kleid ben├Âtigt wurde, war mehr als der Anteil, der jedem Muslim, der an dem Krieg teilgenommen hatte, zustand. Eine Frau sagte zu ihm: "Wir h├Âren und gehorchen nicht, bis du uns sagst, wo du dieses Kleid her hast." Umar (r.a.) lie├č daraufhin seinen Sohn holen und sagte zu ihm: "Berichte den Leuten!". Sein Sohn best├Ątigte, da├č er seinen Anteil seinem Vater gegeben hatte, damit dieser sich ein Kleid daraus machen k├Ânne.

Als die Morgengabe (mahr) f├╝r die Braut zu einer Zeit immer h├Âher wurde, so da├č manche M├Ąnner es sich nicht leisten konnten zu heiraten, wollte der Kalif Umar (r.a.) die H├Âhe der mahr beschr├Ąnken. Eine Frau aus dem Volk stand auf und sagte ihm, da├č dies nicht sein Recht sei und zitierte einen entsprechenden Koranvers. Umar (r.a.) gab ihr Recht.

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Fragen und Antworten

Im Anschlu├č an den Vortrag, sowie im dritten Teil (ca. 15:00-16:00 Uhr) konnten Fragen gestellt werden, von denen hier die meisten wiedergegeben werden.

Frage: Wie steht es mit der Hausarbeit?
Antwort: Die Frau ist nach der Scharia nicht zur Hausarbeit verpflichtet. Das hei├čt, da├č sie im Heiratsvertrag festhalten kann, da├č sie keine Hausarbeit machen will. Ansonsten gilt die allgemeine Sitte ('urf), d.h. wenn es allgemein ├╝blich ist, da├č der Mann arbeitet, und die Frau die Hausarbeit macht, sollte die Frau auch die ├╝bliche Hausarbeit machen. Es sollte jedoch nicht so sein, da├č sie mit der Hausarbeit derart belastet ist, da├č sie keine Zeit hat, ihre Kinder richtig zu erziehen oder sich selbst weiterzubilden. Heutzutage sind viele Frauen viel zu besch├Ąftigt, um ihre Kinder richtig zu erziehen, oder sie sind zu wenig gebildet und nicht in der Lage, ihren Kindern Werte und Wissen zu vermitteln. In solchen F├Ąllen "h├╝ten" Frauen ihre Kinder, anstatt sie zu erziehen. Das ist nicht das, was sich der Islam unter "Erziehung" vorstellt. Die Frau mu├č gen├╝gend ausgebildet sein und gen├╝gend Zeit haben, um diese wichtige Aufgabe gut erf├╝llen zu k├Ânnen.

Amir Zaidan kritisierte in diesem Zusammenhang, da├č viele Frauen nicht nur durch Hausarbeit, sondern auch noch durch Erwerbst├Ątigkeit belastet sind. Wenn dies nicht unbedingt notwendig sei, sollte man sich fragen, ob es sinnvoll ist, da├č die Frau einer Arbeit nachgeht, nur damit man sich eine gr├Â├čere Wohnung, eine sch├Âneres Auto etc. leisten k├Ânne. Wenn Mann und Frau arbeiten, dann ist es notwendig, da├č der Mann auch im Haushalt hilft, ansonsten handelt es sich um Ausbeutung.

Frage: Wenn eine muslimische Frau arbeiten oder studieren m├Âchte, wie ist dies m├Âglich in nicht-islamischen Verh├Ąltnissen, wo es keine Geschlechtertrennung gibt?
Antwort: Solange die islamischen Kleidungs- und Verhaltensregeln beachtet werden, ist dies kein Problem. Frauen und M├Ąnner k├Ânnen in einem Raum sein, verboten ist lediglich, da├č ein Mann und eine Frau, die nicht miteinander so nah verwandt sind, da├č eine Heirat ausgeschlossen ist (die sich also theoretisch heiraten k├Ânnten), sich alleine an einem abgeschlossenen Ort befinden, zu dem kein Dritter Zugang hat. Au├čerdem sollten M├Ąnner und Frauen nicht so nah nebeneinaner sitzen, da├č sie sich ber├╝hren.

Frage: Wie ist es, wenn eine Frau als ├ärztin oder Krankenschwester arbeitet und m├Ąnnliche Patienten ber├╝hren mu├č?
Antwort: Im Fall von Krankheit handelt es sich um eine Notlage, so da├č es in diesem Fall kein Problem ist, wenn die Frau als Krankenschwester oder ├ärztin einen Mann ber├╝hrt. Man soll sich jedoch auf das Notwendige beschr├Ąnken. F├╝r Leute, die Kranke pflegen, gelten auch andere Erleichterungen, so ist z.B. ein Mann, der Kranke pflegt, von der Pflicht, am Freitagsgebet teilzunehmen, entbunden.
[8]

Frage: Wann sollte eine Frau heiraten?
Antwort: Wenn sie Lust dazu hat. (Allgemeines Gel├Ąchter)
Nachfrage: Es gibt viele Frauen, die sagen, sie wollen erst heiraten, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben, oder wenn sie in ihrem Beruf etwas Bestimmtes erreicht haben. Was ist davon zu halten?
Antwort: Das eine schlie├čt das andere nicht aus. Man kann veheiratet sein und trotzdem studieren. Verh├╝tung ist im Islam erlaubt, nur Abtreibung ist verboten. Wenn man sich die Studenten hier anschaut, so haben die meisten einen Freund oder eine Freundin. Wenn das im haram (Verbotenen) funktioniert, wieso dann nicht im halal (Erlaubten)? Wenn eine Frau die Geschlechtsreife erlangt hat und den Wunsch versp├╝rt zu heiraten, dann sollte sie heiraten.

Frage: Ist es islamisch in Ordnung, wenn die Frau arbeitet und der Mann zu Hause bleibt?
Antwort : Dies ist als zeitweilige Notl├Âsung in Ordnung, wenn man das aber dauerhaft so macht, ist dies kein islamischer Lebensstil.

Frage: Gilt dies auch f├╝r den Erziehungsurlaub f├╝r V├Ąter?
Antwort: Ja.

Frage: Wenn eine Frau arbeiten mu├č, und sie wird bei der Arbeit vor die Alternative gestellt, entweder das Kopftuch abzulegen oder die Arbeit zu verlieren, kann sie das Kopftuch dann ablegen?
Antwort : Gegenfrage: Ist das Kopftuch ein mu├č? (Antwort: Ja.) Ist Arbeiten ein mu├č? (Antwort: Nein, es ist ein kann). Damit ist die Frage beantwortet. Man kann nicht eine Mu├č-Vorschrift zugunsten einer Kann-Vorschrift vernachl├Ąssigen. Das w├Ąre genauso, als wenn man lauter freiwillige Gebete macht, aber die Pflicht-Gebete nicht verrichtet - die freiwilligen Gebete sind dann umsonst.
Man mu├č sich bewu├čt sein, da├č der Lebensunterhalt (rizq) nicht von der Arbeit kommt, sondern von Allah. Unsere einzige Aufgabe ist es, uns zu bem├╝hen. Es handelt sich in diesem Fall um eine Pr├╝fung (des Glaubens), und was w├Ąre ein Leben ohne Pr├╝fung?
Das Ablegen des Kopftuches ist islamisch nur gerechtfertigt, wenn eine wirkliche Not besteht, und Not ist islamisch so definiert, da├č begr├╝ndete Angst um das Leben besteht oder der Verlust eines K├Ârperteils droht. In Deutschland leidet jedoch niemand Not. Eine Schwester, die vor dieser Alternative steht, soll sich f├╝r das Kopftuch entscheiden, und auf Allah vertrauen. Wie Allah (s.t.) gesagt hat, geht keinem Menschen sein rizq, das ihm in seinem Leben zusteht, verloren.
Das gleiche gilt ├╝brigens f├╝r M├Ąnner, die einen Arbeitsplatz haben, an dem sie die Gebete nicht einhalten k├Ânnen. Man kann nicht seinen Iman (Glauben) f├╝r seine Arbeit opfern.

Ein Bruder merkte zu diesem Punkt an, da├č man nicht so einfach aufgeben solle, sondern um seine Rechte am Arbeitsplatz k├Ąmpfen solle. In Deutschland besteht das Recht auf freie Religionsaus├╝bung, und dieses m├╝sse man auch einfordern. Die Muslime in Deutschland seien in dieser Hinsicht noch viel zu wenig organisiert und oft zu unt├Ątig.

Frage: Und was ist mit Sch├╝lern?
Antwort: Die Schule ist verpflichtet, muslimischen Sch├╝lern die M├Âglichkeit zum Gebet zu geben.

Frage: K├Ânnen Frauen alleine reisen?
Antwort: Die Gelehrten legten unterschiedliche Entfernungen/Zeitr├Ąume fest, innerhalb derer eine Frau alleine reisen kann (drei Tagesreisen, eine Tagesreise, 81 km). Entscheidend ist der Aspekt der Sicherheit. Heutzutage ist es kein Problem, wenn eine Frau z.B. in Berlin in den Zug einstiegt (vorausgesetzt, sie kommt sicher zum Bahnhof) dann zu einer anderen Stadt f├Ąhrt, wo sie sicher zu ihrem Bestimmungsort kommt. Gleiches gilt f├╝r das Flugzeug. Es ist jedoch nicht erlaubt, da├č eine Frau alleine eine gr├Â├čere Reise unternimmt. Auch wenn heute die Verkehrsmittel in vielen L├Ąnden sicherer geworden sind, Bel├Ąstigung und Vergewaltigung gibt es ├╝berall.

Frage: Wie ist es mit der Hadsch f├╝r alleinstehende Frauen oder wenn kein mahram (Ehemann oder m├Ąnnlicher Verwandter, der die Frau nicht heiraten kann) mitkommen kann?
Antwort: Dieses Problem wird gel├Âst durch die sichere Begleitung. Hadsch-Reisen werden heutzutage in Gruppen organisiert (z.B. durch das HDI), mit der die Frau in sicherer Begleitung reisen kann.

Frage: In europ├Ąischen L├Ąndern gibt es oft die Konstellation, da├č der Mann ein Ausl├Ąnder ist und die Frau eine Einheimische. F├╝r den Mann kann es schwer sein, Arbeit zu finden, so da├č er seine Frau auffordert zu arbeiten, bzw. wenn sie keine Arbeit findet, zum Sozialamt zu gehen. Was ist dazu zu sagen?
Antwort: Meiner Ansicht nach findet hier jeder Arbeit, wenn er sich gen├╝gend M├╝he gibt. Ich erlebe es oft, da├č z.B. die arabischen M├Ąnner nach Deutschland kommen, sehen, da├č die Frauen hier arbeiten, und das dann ausnutzen, indem sie ihre (deutsche) Frau arbeiten lassen und sich selbst aufs Sofa setzen, mit der Ausrede, da├č sie als Ausl├Ąnder keine Arbeit finden. Was in ihrem Heimatland die gr├Â├čte Schande w├Ąre, n├Ąmlich zu Hause zu bleiben und die Frau arbeiten zu lassen, praktizieren sie hier in Deutschland.
Nachfrage: Aber was ist, wenn die Frau wirklich vor der Wahl steht, entweder ohne Kopftuch zu arbeiten oder zum Sozialamt zu gehen, ist es dann nicht besser, das Kopftuch abzulegen?
Antwort: In einem solchen Fall ist es in Ordnung, Sozialhilfe zu beziehen, wenn man sich weiter um Arbeit bem├╝ht. Keine Arbeit zu finden ist eine Situation, in der das deutsche Gesetz die Sozialhilfe vorsieht, die man dann auch beanspruchen kann.

Zum Thema Sozialhilfe: Amir Zaidan kritisierte in aller Sch├Ąrfe Leute, die Sozialhilfe beziehen, obwohl sie eigentlich arbeiten k├Ânnten. Er sieht dies als verbreitetes ├ťbel unter den Muslimen in Deutschland an, was f├╝r das Bild des Islam in Deutschland gro├čen Schaden angerichtet hat. Wer Sozialhilfe bezieht, obwohl er arbeiten k├Ânnte, ist wie einer, der bettelt, obwohl er f├╝r seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen kann. Ein Hadith besagt, da├č jemand der bettelt, obwohl er arbeiten k├Ânnte, bei der Auferstehung am J├╝ngsten Tag kein Fleisch im Gesicht hat.
Noch schlimmer sind diejenigen, die schwarz arbeiten und Sozialhilfe beziehen. Denn dann handelt es sich um Betrug. Sozialhilfe ist eine Art Sadaqa, und Sozialhilfe unberechtigterweise zu beziehen ist genauso, als w├╝rde man unberechtigt Sadaqa nehmen.

Frage: Aber was ist mit Leuten, die hier Asyl haben oder nur geduldet sind und nicht arbeiten d├╝rfen, sollen sie trotzdem arbeiten?
Antwort: Man mu├č sich an die Gesetze in Deutschland halten. Wenn man hierher kommt, hat man sich auf die Gesetze und Regeln in Deutschland eingelassen und dann mu├č man sie auch befolgen.

Frage: Was ist mit Kindergeld?
Antwort: Kindergeld ist ein Recht, da├č der deutsche Staat jedem gew├Ąhrt. Es gibt kein Problem, wenn man Kindergeld annimmt. Umar (r.a.) hat sogar selbst Kindergeld eingef├╝hrt.

Frage: Wenn eine Frau nicht Kopftuch tragen will oder andere Pflichten verletzt, ist der Mann dann f├╝r sie verantwortlich?
Antwort: Nein. Der Mann erf├╝llt seine Pflicht, wenn er seine Frau ermahnt, das Kopftuch zu tragen oder zu beten oder zu fasten, aber er kann sie nicht dazu zwingen.

Frage: Kann ein Mann, nur weil es so Sitte in seinem Land ist, der Frau verbieten, das Haus zu verlassen?
Antwort : Nein. Der Mann kann der Frau verbieten, Leute ins Haus zu lassen, von denen er nicht will, da├č sie das Haus betreten, und er kann auch von seiner Frau verlangen, da├č sie abends zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause ist (wegen der Sicherheit), aber er kann ihr nicht generell verbieten, das Haus zu verlassen. Die Frauen sollen die M├Âglichkeit haben, ihre Verwandten und Freundinnen zu besuchen, ihre Angelegenheiten zu erledigen und in die Moschee zu gehen. Es gibt einen Hadith, der den M├Ąnnern untersagt, da├č sie ihren Frauen verbieten, in die Moschee zu gehen.

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[1] Die ├ťbersetzung der Koranverse folgt: Amir Zaidan: At-Tafsir. Einige wenige Ausnahmen nach der ├ťbersetzung von Muhammad Rassoul: Al-Qur'an al-Karim und seine ungef├Ąhre Bedeutung in deutscher Sprache.

[2] Taqwa: Das Vermeiden von allen Verfehlungen, die sowohl im Diesseits als auch im Jenseits unerw├╝nschte Folgen nach sich ziehen. Diese Verhaltensweise formt dann eine Art Fr├Âmmigkeit, die ALLAH (Ta'ala) gegen├╝ber von Ehrfurcht und st├Ąndigem Bem├╝hen nach gottgef├Ąllig guten Handlungen ausgepr├Ągt ist. (nach Amir Zaidan, At-Tafsir)

[3] Es war eine Sitte bei den vorislamischen Arabern, da├č sie neugeborene M├Ądchen manchmal lebendig begruben.

[4] Das Islamische Gaubensbekenntnis: La illaha illa lah, muhammadun rasululah (Es gibt keine Gottheit au├čer Gott und Muhammad ist sein Gesandter.).

[5] Tauhid: Der Iman (Glaube) an die Einheit und Einzigkeit Allahs nach islamischer Definition.

[6] Im Tafsir (Auslegung) zu dieser Aya schreibt Amir Zaidan: "Diese drei empfohlenen Konfliktl├Âsungs-Schritte erfolgen immer zeitlich nacheinander, d.h. man geht erst dann zur n├Ąchsten Stufe ├╝ber, wenn die vorherigen Konflikt-L├Âsungsvesuche erfolglos blieben. Die letzte Stufe (vor der Scheidung) sollte nur dann eingeleitet werden, wenn es unbedingt notwenig ist und wenn Erfolgsaussicht (zur Rettung der Ehe) besteht und wenn die sich zu Unrecht auflehnende Ehefrau von den bis dahin erfolgten Schritten unbeeindruckt blieb." Amir Zaidan: At-Tafsir, S. 75)

[7] Um Ehebruch, bzw. vorehelichen Geschlechtsverkehr, zur Anklage zu bringen, sind vier m├Ąnnliche, erwachsene Zeugen notwendig, die bezeugen, die beiden Angklagten tats├Ąchlich beim Geschlechtsakt gesehen zu haben. Diese Regelung soll bewirken, da├č niemand leichtfertig des Ehebruchs angeklagt werden kann.

[8] Die Teilnahme am Freitagsgebet ist f├╝r Frauen freiwillig, f├╝r M├Ąnner jedoch Pflicht.

 

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